Christoph Schröder liest…

und schreibt … Texte und Verse … Feines und Grobes … Lebendige Werbung & Literatur!

 
¶         Stimmt so. Nehmen wir heute das Wort „Trinkgeld“. Es klingt schön. Leider nur
           noch selten. In den Kaffee-Ketten-Läden steht immer ein großes ehemaliges
           Marmeladen-Glas neben der Kasse. Es weist auf „Tip“ hin. „Tip“ ist das moderne
           Trinkgeld. Es ist deutlich weniger als früher. Wenn mein Vater früher mit der
           Bedienung zufrieden war, sagte er: „Stimmt so.“ Und meinte den Geldbetrag, den
           er zur Bezahlung auf den Tisch gelegt hatte. Wenn mein Vater nicht zufrieden
           war, wurde es für alle Beteiligten anstrengend. Außer für meinen Vater. Er
           bezahlte exakt den verlangten Betrag. Tat dies aber mit dem Einsatz aller
           verfügbaren Münzen, welche die Währung bot:
           Fünf-Mark-Stücke bis ein Pfennig. Da konnte das Bezahlen länger dauern. Das
           sah man bald der Bedienung an. Aus irgendeiner Anzugtasche klaubte mein
           Vater noch ein paar Pfennige hervor. Es fehlten noch acht. Mein Vater genoss
           diese Szene. Wenn er keine Münzen mehr in seiner Kleidung fand, kam meine
           Mutter ins Spiel. Eher verschämt schob sie ihm eine Zehn-Pfennig-Münze über
           den Tisch. Mein Vater zerkleinerte sie sofort in Pfennige und schob meiner Mutter
           zwei Pfennige zurück.
           In Frankreich heißt Trinkgeld „Pourboire“. In New York wurde man schon immer
           beschimpft, wenn man zu wenig „Tip“ gibt. Die Kellner laufen einem hinterher bis
           auf die Straßen. Heute heißen überall auf der Welt Veranstaltungen „Events“. Bei
           den „Events“, bei denen die Gäste nichts zahlen müssen, zahlen sie naturgemäß
           auch kein Trinkgeld. Dafür wollen sie alle ihre Speisen und Getränke so schnell
           wie möglich haben. Der Tisch muss immer schön aufgeräumt sein und die
           Bedienung freundlich und lächelnd. Okay. Versuchen wir mal, was daraus zu
           machen. An diesem Abend waren es 160 Gastronomen von der Insel Usedom.
           Sie kamen meist pärchenweise und schauten überwiegend streng. Auf dem
           Speiseplan standen acht Gänge mit „Fingerfood“, gereicht von Etagièren und
           Tabletts. Bereits nach dem 3. Tablett (Maishähnchen-Roulade mit Pilzen gefüllt
           und Kerbel-Schmand-Sauce) fing man an zu schwitzen. Ich setzte auf den
           Mitleids-Effekt. Und schon wurden mir dezent die ersten Münzen zugesteckt. In
           diesem Auftrieb karikierte ich die Tischordnung. „Gestatten Sie, dass ich Ihnen
           diese Serviette zu ersetzen vorschlage. Ich kriege sonst Abzüge in der B-Note.“
           Das kam gut an. Bereits nach dem 4. Tablett erwarteten mich die Gäste mit
           einem Lächeln. Gerne ließen sie sich erklären, was jetzt zu vertilgen war
           (Canapé mit rosa gebratenem Roastbeef, Remouladensauce und Blattpetersilie).
           „Da lassen Sie mal gleich ein paar mehr von da.“ Gerne doch. Einem Herrn
           verlangte es noch mal nach dem Matjes-Tartar auf Fenchel-Apfelsalat von Tablett
           2. Ich signalisierte mein Bestes zu tun, notfalls kurz runter zum Hafen zu laufen.
           Als der Gast wenige Minuten später beglückt werden konnte, schob er einen
           Geld-Schein auf mein Tablett. „Arbeiten Sie immer hier?“ Wurde ich mehrfach 
           gefragt. „Für Sie schon.“ War meine Antwort.
 
           (ein DO Ende Januar 2015 , Restaurant „Parlament“ unter Hamburger Rathaus,
           Rathausplatz 1; Reporter: JC Skôda; aus dessen Zyklus: "8 € 50 – Geschichten;
           MEHR davon gerne auf Anfrage)



 

Christoph Schröder

( ohne Titel )

Wussten wir, wie schön es war?
Wir spürten es mit Haut und Haar.
Wir aßen die Kirschen direkt vom Baum
Wie schön das war – wir ahnten es kaum
 
Wir radelten weiter, noch manches Jahr
Nach Capri New York Süd–Afrika
Wir hielten noch Hände, wir waren noch Paar
Doch war es noch schön – so wie es war?
 
Der Druck von außen erdrückte uns fast
Krankheiten, Sorgen – sie rasten ohne Rast.
Ich hielt nicht stand, ich flüchtete vor Dir
Also suchtest du Wege auch fort von mir
 
Ich konnte Dir nicht das Einfache geben
was es braucht für ein gemeinsames Leben.
Es ging uns verloren, was fest einmal war –
was alle in uns sahen als ‚strahlendes Paar’.
 
So sind wir heute jeder für sich.
Doch wenn wir uns treffen, gilt uns dies Gedicht.

(Sommer 2015)



Christoph Schröder

Mops und Drops
 
 
Der Mops voll Lust
Lutscht einen Drops
 
Den Drops –oh flugs–
Verschluckt der Mops
 
Dem Mops hängt quer
Der blöde Drops (hust, hechel, würg …)
 
„Drops – raus mit dir“
ächzt laut der Mops
 
Da kommt er schon:
Der Drops samt Kotz
 
vom drops-befreiten
heiteren Mops
 
 
 
 (3. August 2015)

HINWEIS: Leser, die dies Gedicht liken, interessierten sich auch für den > Made – Zyklus)





Christoph Schröder

Some sheepy questions

 (not only ref. to those of 1955, 1967, 1979, 1991, 2003, 2015, 2027, 2039, 2051 …) 
 
 
 
How deep can we creep in the Year of the Sheep?
How high will we fly in the sky of the shy?
 
What makes us last on meadows of the past?
What lets us hope in our dark–velvet cope?
 
Are there any more promises that we can keep?
All answers are given in the Year of the Sheep


19. FEB 2015





 

Christoph Schröder

Winter dies Jahr

 

Was wohl den Winter so verdrießt?

Na?

Vielleicht weil Schröder heut nicht liest … 
 


 
 
 
 
Winter 2015




 

Christoph Schröder

Sommer hin

 

Na, wo geht der Sommer hin?
 
Er geht zu einem  S o m m e r f e s t !
Er lässt sich feiern
Lässt sich küssen
Trinkt fast alles ohne Test …
Und als am Morgen er verlässt
Das schöne lange Sommerfest –
Bleibt von ihm selbst nur noch ein
 
Rest
 
 
 
 
Sommer 2014




 

Christoph Schröder

Liebes Wölkchen

 
Liebes Wölkchen
Bleib doch noch
Zu heiß der Tag
Zu heiß die Woch
 
Liebes Wölkchen
Bleib doch hier!
Es ist so wohl
im Schatten mir
 
Liebes Wölkchen
Gleit herab
Gib mir so
Vom Himmel ab
 
Liebes Wölkchen
Schlaf mit mir!
So bleibt die Hitz
E vor der Tür
 
 
 
 
 
Sommer 2014
 
Mögliches Nachspiel: Liebes Wölkchen |  mach uns nass | dann haben wir  beide | unseren 



 

Christoph Schröder

Achter Juni 2014 – als wärs ein Stück Rheinsberg

 

 
Na mein Schatz
wie geht es dir?
Ohne Dich
fehlt Sonne hier.
Ich radle frei
durch Feld und Wälder –
ganz ohne Angst
und ohne Gelder.
Wie schön der Duft
Wie klar das Licht –
Alles leider ohne dich …
Wohl darum schrieb ich dies
Gedicht



 

Christoph Schröder

2014 – Year of the Horse 

  
Whatever comes
Will not get worse
Because here comes
The laughing horse:
Horse of the year
Year of the Horse!
Let’s all start
Our riding course.
 
Up the hurdle
Down the line
Jipih Eyjeh
So fast so fine.
Over the months
And through the days
The horse shows us
Decisive ways –
Even down to
Horseshoe-Bay.
 
Trust your horse.
Find it okay!
But:
Don’t do the straddle –
Stay in the saddle of
2014 !




Januar 2014


 

Christoph Schröder

Alles 

 
Alles Kommen
Alles Gehen
Wird auch ohne dich geschehen
 
Alles Nehmen
Alles Geben
Reicht nicht für ein ganzes Leben
 
Alles Wünschen
Alles Hoffen
Lässt meist die Erlösung offen
 
Alles Sterben
Alles Leiden
Wird wohl Ewigkeiten bleiben
 
Und
 
Alles Lachen
Alles Weinen
Kann für den Moment nur heilen …
 
Drum:
 
Leb dein Leben nie ungenutzt, nimm die Liebe stets in Schutz, möge dein Geist dein liebster Gast sein, möge dein Körper voller Saft sein und deine Fantasie voll Morgenrot
 
Dann bist  d u  alles  …  bist eins mit allem  …  deinem Leben zum gefallen



Januar 2014


 

Christoph Schröder

Dämmerstündchen


Dämmerstündchen 
sucht nette Dämmer
– und keine Lämmer –
für ein hübsches Ründchen
heut zum Dämmerstündchen

(Ernstgemeinte Angebote unter Chiffre Dämm mal wieder)

 
 
 
 
 (Oktober 2013)


 

Christoph Schröder

Vom Verlust


Er steht vorm Haus
Ihm fehlt ein Finger
Das macht sein Menschsein nicht geringer

Er sitzt an der Bar
Ihm fehlt ein Ohr
Doch singt er gerne noch im Chor

Er liegt im Grab
Ihm fehlt sein Leben
Vielleicht hat wer ihm noch vergeben

 
 
 
 
 (September 2013)


 

Christoph Schröder

Schäferstündchen


Schäferstündchen
sucht nette Schafe
– und nicht zu brave –
für ein hübsches Ründchen
heut zum Schäferstündchen

(Ernstgemeinte Angebote unter Chiffre Schaf mal wieder)

 
 
 
 
 (Oktober 2013)


 

Christoph Schröder

Ein paar Fragen an den Sommer


Sag mal:
Sommerhoch, Sommerloch –
lieber Sommer, was kommt noch?
Sommerglut, Sommerschnief –
lieber Sommer, was lief schief?
Sommerfrische, Sommergäste –
Jeder will von dir das Beste …
 
Halten wir fest:
Ob Wetter mulmig, ob Klima heiter:
Wir feiern ein FEST
Und – der Sommer geht weiter

 
 
 
 
 (August 2013)


 

Christoph Schröder

Juli


Juli hieß mal meine Liebe,
auch Jule sagte ich zu ihr.
Und hoffte, dass sie lange bliebe
mit ihrer Liebe auch zu mir.
Doch
wie auch der Juli zu Ende geht
ist unsre Liebe leider verweht.
Beide machten wir große Fehler
und wurden unsre eignen Quäler.
Die Jule ging, der Juli geht –
was man auch macht:
es ist zu
 
 
 
 
 (Juli 2013)


 

Christoph Schröder

Early Summer Evening


 

 
I see the shining of the night be me
I feel the melody of rhyme be mine
I dance on clouds and sparkling jewels with thee
The two we turn and laugh and laugh and turn
Free our minds in losing time
How soft your skin
how wide our dreams





(Juni 2013)

 

Christoph Schröder

Juni, Juni


 
Juni, Juni was bist Du schnell!
Und noch heller als nur hell.
Bist auch schnell wieder vorbei.
Schneller noch als vorher Mai.
Drum genießt man jeden Tag
Falls man den Juni Juni mag
 
War das Grün schon mal so grün
Ob die Sonne so mal schien?
Schau die Blüten so hübsch blühn
Und die Vögel so schön sing’n … ?
Wird die Liebe im Juli halten
Oder mit Sonnenbrand erkalten?
 
Keiner weiß das vielleicht nie
Außer: es ist im Juni!
Juni, Juni was bist Du schnell!
Und noch heller als nur hell.
Deine Nächte sind die schönsten
Gehst du fort sind wir ent–wöhnsten




(Juni 2013)

 

Christoph Schröder

Mai, oh Mai

Alle Ampeln springen auf grün
Dunkle Wolken sich verziehen
Alles lächelt oder lacht
Schau – das hat der Mai geschafft

Und der Kuckuck singt sein Kuck
Die Natur im schönsten Schmuck
Alles hell und elegant
So hat der Mai uns in der Hand

Die Luft so frisch wie kühler Wein
Die Kinder an der Leine fein
Alles blüht und ist charmant
Nur ein Auto fährt an die Wand

Kurz die Menschen stehn gebannt
Hat das Auto auch gebrannt?
Seht – schon ist das Wrack beseitigt
Sonst wär auch der Mai beleidigt

Mai, oh Mai was bist du schön
Solltest nie zu Ende gehn
Du der Mozart im Kalender
Lässt vergessen den November

Du der Nektar jeden Jahres
Lässt vergessen Schnödes, Bares
Kümmerst dich um Schönes nur
Bist von Haus aus Frohnatur

Alle Ampeln springen auf grün
Dunkle Wolken sich verziehen
Alles lächelt oder lacht
Schau – das hat dies Gedicht geschafft


(Mai 2013)

 

Christoph Schröder

Made in Hessen

Spricht die Made leise hessisch
denkt der Specht:
oh geil! die fress isch

(Februar 2013)

 

Christoph Schröder

Made, weiblich; Made, männlich

Wird eine Made langsam weiblich
Heißt sie dann Madel unvermeidlich

Wird eine Made langsam männlich
Heißt sein Motto: Ab jetzt drängle ich

(Februar 2013)

 

Christoph Schröder

Made in Ferien

Was macht die Made auf Madeira?
Sie macht Ferien vom Verehrer!

(Februar 2013)

 

Christoph Schröder

Made im Alter, männlich

Seht!

Da fasst die Made, männlich, sich an den Sack
und sagt eindringlich:
"Ich werde alt. Ich werde matt. Ich spüre das am Madensack."

Worauf Frau Made, seine Gattin, voll auf Zack
ihm unverblümt die Meinung sagt:
"Mademann, ab ist der Lack! Fünfzig wirst du, du alter Sack!"

Da … geht Herr Made ins Internet 
und denkt:
"Jetzt ne junge Made – das wär nett."

Flugs zieht Frau Made den Stecker raus
und kreischt:
"Sag mal: Spinnst Du?! Dein Spiel ist aus!"

Wie schade denkt der alte Made und
reibt sich wehmütig die Wade



(Februar 2013 > MEHR aus dem Made – Zyklus gerne auf Anfrage)